Resilienz bedeutet für uns, dass Kaffee – und die Menschen, die von ihm leben – auch in einer sich verändernden Welt eine Zukunft haben. Klimawandel, häufigere Wetterextreme und wachsende Unsicherheit verändern, wie Kaffee angebaut, beschafft und gehandelt wird. Das betrifft Produzentinnen und Produzenten ebenso wie Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Resilienz aufzubauen heißt daher mehr, als auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren: Es geht darum, künftige Risiken frühzeitig zu erkennen und die Fähigkeit zur Anpassung langfristig zu stärken.
Da sich diese Risiken je nach Herkunftsland, Produktionssystem und Lieferkette unterscheiden, setzt die NKG darauf, Schwachstellen besser zu verstehen und die Maßnahmen zu identifizieren, die langfristig die größte Wirkung entfalten können. Dazu vertiefen wir unser Verständnis von Klimarisiken und fördern zugleich Anbausysteme, die besser auf veränderte Bedingungen vorbereitet sind und wirtschaftlich tragfähig bleiben. Für uns bedeutet Resilienz nicht, Unsicherheit vollständig auszuschließen. Vielmehr geht es darum, fundierte Entscheidungen zu treffen, gezielt in Anpassung zu investieren und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Kaffee auch für kommende Generationen eine tragfähige Lebensgrundlage bleibt. Die folgenden Verpflichtungen zeigen, wie wir diesen Ansatz in konkrete Maßnahmen übersetzen und unsere Fortschritte messbar machen.
Klimarisiken & Anpassung
Der Klimawandel verändert die Kaffeeproduktion – aber nicht überall auf die gleiche Weise. Seine Auswirkungen unterscheiden sich je nach Anbauland, Landschaft und Lieferkette deutlich. Deshalb ist es entscheidend zu verstehen, wo die größten Verwundbarkeiten liegen und wo wir am wirksamsten ansetzen können. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage dafür, Resilienz gezielt aufzubauen. Unser Ansatz für Klimarisiken und Szenarioanalysen folgt daher einer schrittweisen, standortspezifischen Methodik: Wir verbinden eine qualitative Risikoidentifikation mit gezielten quantitativen Bewertungen.
Im Rahmen der Entwicklung unseres Klimaschutzplans hat die NKG erste qualitative Klimarisikobewertungen durchgeführt. Dabei wurden zentrale physische Risiken und Übergangsrisiken in wichtigen Kaffeeanbaugebieten identifiziert und eingeordnet. Berücksichtigt wurden sowohl unsere eigenen Betriebe als auch vor- und nachgelagerte Teile der Wertschöpfungskette. Die daraus abgeleiteten Risikokategorien wurden anschließend durch unsere doppelte Wesentlichkeitsanalyse validiert. Dadurch wurde ihre Relevanz sowohl mit Blick auf tatsächliche und potenzielle Auswirkungen als auch aus finanzieller Perspektive bestätigt. Aufgrund der Struktur unseres Geschäfts liegen die größten klimabezogenen Risiken vor allem in der vorgelagerten Wertschöpfungskette. Sie steht deshalb im Mittelpunkt unserer weiteren Analysen, unseres Engagements und unserer Maßnahmen.
Diese Klimarisikobewertungen wurden inzwischen weiterentwickelt. Sie berücksichtigen nun auch langfristige Veränderungen der Eignung von Anbaugebieten sowie kurzfristige Wetterdaten. Auf dieser Basis entwickeln wir an die jeweilige Lieferkette angepasste Strategien zur Klimaanpassung. Unsere Teams vor Ort sowie Agrarwissenschaftler entwickeln diese Strategien mit Unterstützung globaler Fachleute. So werden Erkenntnisse zum Klimawandel in praxisnahe Pläne übersetzt, die zu den lokalen Bedingungen passen. Die Strategien zeigen, welche Maßnahmen priorisiert werden sollten, um kurzfristig die Widerstandsfähigkeit zu stärken, langfristig strukturelle Resilienz aufzubauen und – wo nötig – tiefgreifendere Anpassungen zu ermöglichen. Außerdem beschreiben sie, wie Maßnahmen umgesetzt werden, mit wem wir zusammenarbeiten und in welchem Zeitraum Fortschritte erzielt werden sollen.
Auf dem Weg von der Analyse zur Umsetzung nutzen wir diese Erkenntnisse, um gezielte Maßnahmen in unseren Betrieben und entlang unserer Wertschöpfungskette zu steuern. Unser Ansatz basiert auf einem klaren Verständnis davon, wo Klimarisiken entstehen, wo wir direkten Einfluss nehmen können und wo Fortschritte von der Zusammenarbeit mit Produzentinnen und Produzenten, Lieferanten und weiteren Partnern abhängen. Indem wir Risikobewertungen mit konkreter Anpassungsplanung und praktischen Maßnahmen verbinden, wollen wir die langfristige Tragfähigkeit der Kaffeeproduktion in einem sich wandelnden Klima stärken.
Regenerative Landwirtschaft
Ein Blick auf die Ursprünge, in denen die NKG tätig ist, und unsere Partnerschaftsprogramme zeigt: Viele Praktiken, die heute unter dem Begriff „regenerative Landwirtschaft“ zusammengefasst werden, sind in unseren Betrieben schon lange Teil guter landwirtschaftlicher Praxis. Für uns geht es daher nicht darum, ein neues Schlagwort zu übernehmen. Vielmehr wollen wir auf vorhandenem Wissen und langjähriger Erfahrung aufbauen und zugleich unser Verständnis landwirtschaftlicher Systeme weiterentwickeln. Dazu gehört, einzelne Maßnahmen nicht isoliert zu betrachten, sondern zu verstehen, wie sie innerhalb eines größeren Wirkungszusammenhangs ineinandergreifen. Indem wir nachhaltige Intensivierung mit agrarökologischen Prinzipien verbinden, wollen wir Produktivität, wirtschaftliche Tragfähigkeit, gesunde Ökosysteme und Widerstandsfähigkeit gleichermaßen stärken. Wo es sinnvoll ist, ergänzen wir bewährte Ansätze durch Innovationen, um neuen Herausforderungen zu begegnen und eine größere Wirkung zu erzielen. Die Vielfalt, der Umfang und die Tiefe der Maßnahmen, die innerhalb der NKG bereits umgesetzt werden, bilden dafür eine solide Grundlage. Mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie führen wir diese Erfahrungen in einem strukturierteren Ansatz zusammen: Er unterstützt die Ausweitung bewährter Praktiken, stärkt den Wissensaustausch und schafft nachhaltige Wirkung – stets angepasst an die lokalen Gegebenheiten.
In den Herkunftsregionen werden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Im Jahr 2025 haben wir eine unternehmensweite Bestandsaufnahme dieser Aktivitäten durchgeführt. Ziel war es, eine Ausgangsbasis für unsere Maßnahmen im Bereich Biodiversität und Ökosysteme in allen Herkunftsregionen zu schaffen und unsere 19 Partnerschaftsprogramme mit Fokus auf regenerative Landwirtschaft systematisch zu erfassen. Die Ergebnisse haben gezeigt, wie breit, umfassend und tiefgehend das Engagement innerhalb der NKG bereits ist.
Mit einem Rahmenwerk aus strategischen Verpflichtungen und fachlichen Leitlinien haben wir unser Engagement für regenerative Landwirtschaft weiter gestärkt. Es hilft uns, Wissen zu bündeln und Maßnahmen zu priorisieren, die zur Philosophie und zu den operativen Stärken der NKG passen. Gleichzeitig stellen wir unseren Teams vor Ort weltweit Ressourcen zur Verfügung, mit denen sie Maßnahmen planen, bewerten und umsetzen können. Das Rahmenwerk gibt außerdem Orientierung für ein strukturiertes Monitoring und die Bewertung der Maßnahmen. So entsteht eine gemeinsame Grundlage für den Wissensaustausch über unsere vielfältigen Herkunftsländer und Betriebsstandorte hinweg.
Regenerative Landwirtschaft wirksam umsetzen – Unsere Grundsätze
Das Rahmenwerk für regenerative Landwirtschaft wurde in engem Austausch mit unseren Teams vor Ort und mit Fachleuten aus verschiedenen Anbaugebieten entwickelt. Dabei wurden auch die wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen aus der doppelten Wesentlichkeitsanalyse berücksichtigt.
Das Rahmenwerk greift die vier Säulen der regenerativen Landwirtschaft auf, wie sie von der Global Coffee Platform definiert wurden: Biodiversität, Boden, Wasser und widerstandsfähige Lebensgrundlagen. Damit bekennen wir uns dazu, anerkannte Branchenrahmenwerke zu nutzen und weiterzuentwickeln, statt isolierte Einzellösungen zu verfolgen. Unter jeder Säule definieren wir vorrangige Maßnahmen und Interventionen sowie praktische Leitlinien für unsere Feldteams und landwirtschaftlichen Partner. So ist das Rahmenwerk mehr als eine Absichtserklärung: Es dient als operatives Instrument, das strategische Ziele direkt mit der Praxis auf Farmebene in allen NKG-Herkunftsregionen verbindet.